20/07/2026 • 5 min gelesen

Die zunehmende Herausforderung durch Lärm am Arbeitsplatz

Steigerung der Produktivität durch akustische Lösungen

von Dr. Eric Novotny

Die Sorge um Lärm am Arbeitsplatz ist nichts Neues. Geschwätzige Kollegen, klappernde Geräte und piepende Elektronik stören schon seit langem die Konzentration. In den letzten Jahren haben sich die Probleme der Akustik jedoch besonders deutlich bemerkbar gemacht. Unsere weltweite Studie „Evolving Workplace“ hat ergeben, dass Lärm die größte Herausforderung für Unternehmen darstellt.

Dieses Problem wird durch mehrere Shifts auf Makroebene noch verstärkt. Die Richtlinien zum hybriden Arbeiten stabilisieren sich, sodass immer mehr Menschen häufiger ins Büro kommen. Gleichzeitig nimmt die von Immobilien eingenommene Fläche ab, während die Arbeitnehmerdichte zunimmt. Zusammen genommen machen diese Veränderungen – zusammen mit der zunehmenden Verbreitung von Video-Konferenzen und sich wandelnden Arbeitsgewohnheiten – die Planung der Akustik zu einer immer größeren Herausforderung.

Auch wenn der Hauptzweck des Büros darin besteht, Zusammenarbeit und Kontakte zu fördern, benötigen die Mitarbeiter dennoch den ganzen Tag über Zugang zu ruhigen Räumen, in denen sie sich konzentrieren können. Dieses doppelte Bedürfnis nach Interaktion und Konzentration unterstreicht, wie wichtig es ist, Umgebungen zu gestalten, die flexibel genug sind, um beides zu ermöglichen.

Neue Quellen für Lärm am Arbeitsplatz

Mehrere neue Lärmquellen stören den Arbeitsalltag von heute.

  • Aneinandergrenzende Bereiche
    In vielen modernen Büros erstrecken sich die Räume über ein breites Spektrum – von Bereichen für Zusammenarbeit und reges Treiben bis hin zu Bereichen für konzentriertes Arbeiten, wobei sich Räume für den Austausch in kleinen Gruppen irgendwo dazwischen befinden. Für ein ausgewogenes Klangbild ist es wichtig, die räumliche Nähe und die Anordnungen der Räume zu berücksichtigen.

    Natürlich sind Räume für die Zusammenarbeit in Gruppen in der Regel akustisch am aktivsten – dort herrschen die Geräusche von Brainstorming und spontanen Diskussionen. Probleme entstehen, wenn Büros ruhige und laute Bereiche nebeneinander anordnen, ohne dabei Maßnahmen zur Akustik zu berücksichtigen. Dies kann ungewollt zu Spannungen zwischen Mitarbeitern führen, die unterschiedliche Tätigkeiten ausüben. Lärmbelastete Bereiche können die Mitarbeiter stark belasten und zu Folgen wie Stress, Produktivitätsverlusten und Unwohlsein führen.

  • Schrumpfende Büroflächen + mehr Mitarbeiter im Büro
    Unsere Studie hat zwei weitere Trends aufgezeigt, die zur Lärmbelastung am Arbeitsplatz beitragen: schrumpfende Büroflächen und eine höhere Mitarbeiterdichte. Da Unternehmen ihre Bürofläche reduzieren und gleichzeitig mehr Mitarbeiter ins Büro zurückholen, führt dies zwangsläufig zu einer Zunahme von störendem Geplapper und Umgebungsgeräuschen.

    Bei den Befragten, die sowohl einen Rückgang der Immobilienfläche als auch eine Zunahme der Mitarbeiterdichte angaben, stellte sich die Akustik als deutlich größere Herausforderung dar als bei denjenigen, bei denen dies nicht der Fall war. Diese Erkenntnis untermauert die Annahme, dass die Unterbringung von mehr Menschen auf kleinerem Raum die Lärmproblematik verschärft.

  • Videokonferenzen
    Der zunehmende Einsatz von hybriden Arbeitsmodellen hat zu einem sprunghaften Anstieg der Videokonferenzen geführt. Diese Technologie ist zwar von unschätzbarem Wert, um die Kluft zwischen Teilnehmern vor Ort und an entfernten Standorten zu überbrücken, führt jedoch ein neues Format für Gespräche mit Hintergrundgeräuschen und Akustik ein.

Das Ziel besteht nicht darin, Lärm vollständig zu beseitigen – dies könnte zu einer leblosen, demotivierenden Umgebung führen –, sondern bei Bedarf akustische Gestaltungsprinzipien und Lösungen anzuwenden.

Lärmbekämpfung

Um diese Herausforderungen im Bereich Lärm zu bewältigen, empfiehlt sich ein vielschichtiger Ansatz, der Design, Kommunikation und akustische Lösungen miteinander verbindet.

Aktivitäten planen, nicht nur Räume

Eine effektive Raumplanung beginnt damit, zu verstehen, was Menschen im Laufe ihres Tages tatsächlich tun. Die Planung von Aktivitäten anstelle von allgemeinen Raumtypen stellt sicher, dass die Umgebungen den tatsächlichen Arbeitsweisen gerecht werden. Dieser Ansatz basiert auf dem Verständnis der Nutzerbedürfnisse.

Mitarbeiter durch Wahlmöglichkeiten und Eigenverantwortung stärken

Die Mitarbeiter sollten die Flexibilität haben, sich Arbeitsbereiche auszusuchen, die zu ihren Aufgaben passen. Ein Mitarbeiter, der sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren möchte, sollte nicht in einen belebten Bereich für die Zusammenarbeit verbannt werden. Die Buchung von Akustikkabinen für Videokonferenzen oder abgeschirmten Besprechungsräumen für konzentriertes Arbeiten kann die Produktivität und den Komfort erheblich steigern.

Selbst innerhalb vorgegebener Räume fördert es die Eigenständigkeit und das Engagement der Nutzer, wenn sie die Kontrolle über Elemente wie Beleuchtung und Ton haben. Wenn Menschen ihre Umgebung an ihre Bedürfnisse anpassen können, fühlen sie sich eher wohl, können sich besser konzentrieren und sind produktiver.

Vermittlung der Raumnutzung zur Verringerung von Missbrauch

Selbst das am besten gestaltete Büro kann hinter den Erwartungen zurückbleiben, wenn seine Konzeption nicht klar vermittelt wird. Die Facility-Teams und die Führungskräfte vor Ort sollten die Mitarbeiter über den Zweck der einzelnen Bereiche aufklären. Dies trägt dazu bei, eine unangemessene Nutzung zu verhindern, wie beispielsweise laute Gespräche in Ruhezonen oder das Arbeiten allein in großen Konferenzräumen.

Barrieren und Puffer

Klare Abgrenzungen zwischen den Bereichen können dazu beitragen, die Schallübertragung zu dämpfen. Zu diesen Abgrenzungen können Wände, Trennwände oder einfach ein ausreichender Abstand gehören, um Entlastung zu schaffen.

Maßgeschneiderte akustische Lösungen

Neben diesen indirekten Strategien ist es entscheidend, die Probleme der Akustik direkt anzugehen. Durchdachte akustische Lösungen wie schallabsorbierende Oberflächen, schalldämmende Trennwände und Geräuschmaskierungssysteme können den Komfort und die Leistungsfähigkeit in Großraumbüros erheblich verbessern.

Die Einbeziehung einiger oder aller dieser Elemente kann dazu beitragen, die Arbeitsdynamik im Büro aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Ablenkungen zu minimieren.

Entwürfe für ein breites Klangspektrum

Auch wenn die Ursachen für Lärm am Arbeitsplatz neu sind, bestehen die Herausforderungen der Akustik seit jeher fort. Die effektivsten Bürokonzepte zielen nicht darauf ab, Lärm vollständig zu eliminieren, sondern ihn in Maßen zuzulassen, um eine gesunde „Lebendigkeit“ im Büro zu schaffen und gleichzeitig vielfältige Arbeitsweisen zu unterstützen.

Um den Spagat zwischen regem Treiben und Chaos zu meistern, müssen Unternehmen ihre Räumlichkeiten</u> nicht nur so gestalten, dass sie den Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter gerecht werden, sondern auch soziale Normen und eine Kultur etablieren, die festlegen, zu welchen Zeiten und in welchen Bereichen ein Beitrag zum Bürotrubel geleistet werden kann.

Den Klang der Arbeit gestalten – lebendig, nicht laut.

Sichern Sie sich als Erster den Leitfaden zum Thema Akustik.

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