19/11/2024 • 4 min gelesen

Inklusives Design: Was der Arbeitsplatz von der Stadtplanung in Wien lernen kann

Lektionen vom „Juwel der Stadtplanung“

von Nishtha Bali

Nishtha Bali ist Workplace Strategist bei Haworth mit einem Hintergrund in Architektur und einer Leidenschaft für Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration (DEI) am Arbeitsplatz und in der Community. Dieser Artikel wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht. Diesen Artikel – und weitere Informationen über Nishtha – finden Sie auf ihrer LinkedIn-Seite.

Wien, die Hauptstadt Österreichs, wird oft als Musterbeispiel für Stadtplanung und Stadtgestaltung gepriesen. Wien gilt seit vielen Jahren als lebenswerteste Stadt und ist ein Vorbild dafür, wie ein inklusives und einladendes Umfeld für alle Einwohnenden geschaffen werden kann.

Interessanterweise können Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Büros wertvolle Lehren aus der Wiener Stadtplanung ziehen. Wenn man darüber nachdenkt, ist ein Büro eigentlich gar nicht so anders als eine Stadt; es ist einfach eine kleinere Community mit eigenen Bereichen, sei es für Besprechungen, für Zusammenkünfte, für die Zusammenarbeit oder für individuelle Tätigkeiten.

Wien arbeitet intensiv daran, die Stadt inklusiver zu machen. Es gibt verschiedene Aspekte dieses Ansatzes, die Büros und Unternehmen nutzen können, um ein inklusiveres und einladenderes Arbeitsumfeld zu ermöglichen.

1. Schaffung kleinerer, komfortablerer Räume

Wiens Philosophie des inklusiven Designs erstreckt sich auch auf den öffentlichen Raum. Statt großer, weitläufiger Fußballfelder, die in der Regel nur von Jungen genutzt wurden, hat die Stadt die Parks in kleinere, überschaubare Bereiche unterteilt, in denen sich nun Jungen und Mädchen, insbesondere Mädchen im Teenageralter, aufhalten können – eine Bevölkerungsgruppe, die in den Parks der Stadt zuvor weitgehend fehlte. Dieser Ansatz berücksichtigt die vielfältigen Bedürfnisse der Einwohnenden und macht die Stadt zu einem einladenden Ort für alle.

Arbeitsplätze können eine ähnliche Strategie verfolgen, indem sie große, offene Räume in kleinere, gemütlichere Bereiche umwandeln, die jeweils mit etwas Besonderem ausgestattet sind, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen zugeschnitten ist. So können sie auf die Bedürfnisse und Vorlieben ihrer Mitarbeitenden eingehen und dafür sorgen, dass sich alle am Arbeitsplatz wohlfühlen.

2. Flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance

Wiens öffentliches Verkehrssystem ist darauf ausgelegt, den ganzen Tag über reibungslos zu funktionieren, sodass klassische Stoßzeiten praktisch keine Rolle spielen. Diese zeitliche Flexibilität entspricht dem Wandel in der Arbeitswelt, in der sich immer mehr Arbeitnehmende flexible Arbeitszeiten wünschen.

Unternehmen können flexible Arbeitszeiten einführen, um den Mitarbeitenden die Freiheit zu geben, dann zu arbeiten, wenn es ihnen am besten passt, und so eine gesündere Work-Life-Balance zu fördern. Dies ist besonders wichtig in der heutigen globalen digitalen Arbeitswelt, in der die meisten Arbeitnehmenden täglich mit Teammitgliedern in anderen Zeitzonen zusammenarbeiten.

3. Familienfreundliche Nachbarschaften

Wien hat in familienfreundliche Stadtteile investiert. In diesen Vierteln gibt es häufig Einrichtungen wie Kindertagesstätten, die es den Eltern erleichtern, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

In der Geschäftswelt können sich Unternehmen daran orientieren, indem sie Kinderbetreuungseinrichtungen am oder in der Nähe des Arbeitsplatzes anbieten, um Eltern die Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen zu erleichtern. Ich denke, dass Unternehmen, die solche Lösungen anbieten, deutlich attraktiver werden und ihre Mitarbeitenden besser halten können.

 

4. Barrierefreiheit und Inklusion

Die Stadt Wien hat ihre Straßen barrierefreier und sicherer gemacht. Breitere Gehwege und eine gezielte Straßenbeleuchtung sorgen dafür, dass sich Fußgänger, insbesondere Frauen mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrende, sicher fühlen.

Unternehmen können dies ebenso umsetzen, indem sie dafür sorgen, dass ihre Räumlichkeiten für Menschen mit Behinderungen zugänglich sind. Dazu gehört auch, dass für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, geeignete Einrichtungen wie z. B. Rampen und Aufzüge zur Verfügung gestellt werden, um die Inklusion zu fördern. Ein gleichberechtigtes Arbeitsumfeld sorgt dafür, dass sich alle willkommen und wertgeschätzt fühlen. Gleichzeitig steigt die Produktivität, da Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

5. Geschlechtsneutrale Beschilderung

Der Bereich der sozialen Inklusion wird in der Wiener Stadtplanung ebenfalls berücksichtigt. Die Stadt verwendet geschlechtsneutrale Beschilderungen, Bilder und Straßennamen, um Räume zu schaffen, die für alle Menschen, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft, einladend sind.

Am Arbeitsplatz können Unternehmen einen ähnlichen Ansatz verfolgen, indem sie geschlechtsspezifische Vorurteile in Design und Kommunikation beseitigen, um ein inklusiveres und vielfältigeres Umfeld zu schaffen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wiener Stadtplanungskonzept und der inklusive Ansatz zweifellos zum hohen Lebensstandard und zur allgemeinen Lebensqualität seiner Einwohnenden beiträgt. Aus dem Beispiel Wien können wertvolle Lehren für Arbeitsplätze und Unternehmen gezogen werden. Durch die Schaffung kleinerer, komfortablerer Räume, die Einführung flexibler Arbeitszeiten, die Unterstützung berufstätiger Eltern, die Gewährleistung von Barrierefreiheit und die Anwendung inklusiver Designprinzipien können Büros zu einladenderen und vielseitigeren Orten für alle Mitarbeitenden werden und so das Zugehörigkeitsgefühl und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern.

So wie Wien sein Stadtbild für ALLE Einwohnenden attraktiver gemacht hat, können Unternehmen darauf hinarbeiten, inklusivere, vielfältigere und zugänglichere Arbeitsumgebungen zu schaffen. Auch wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Arbeitsplatz bereits bestmöglich inklusiv gestaltet ist, sollten Sie nicht vergessen, dass es immer Raum für Verbesserungen gibt. Die Einbeziehung verschiedener Nutzergruppen in den Gestaltungsprozess kann Sie auf Aspekte aufmerksam machen, die Sie vorher vielleicht übersehen haben.

 

Weitere Artikel von Nishtha finden Sie hier – auch die Reihe Women@Work, die sie gemeinsam mit Adithi Khandadai verfasst hat. 

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