07/05/2026 • 4 min gelesen

Cappellini „Carnet de Voyage“: Globale Designtrends von der Mailänder Designwoche

Globales Storytelling, Haptik und modulares Denken prägen das Design

von Carole Crosnier

Cappellini „Carnet de Voyage“: Ein Trendkapitel für 2026

Der Showroom von Cappellini auf der Mailänder Designwoche mit dem Titel „Carnet de Voyage“ ist als geografische Reise durch Mailand, New York, Dakar und Tokio konzipiert. Jeder Bereich vermittelt durch Musik, Materialien, Farben und Formen eine ganz eigene kulturelle Atmosphäre und unterstreicht damit die vielseitige Identität von Cappellini. Das Layout spiegelt die Rolle der Marke als globaler Talentscout wider und kombiniert ikonische Stücke mit Werken aufstrebender Designer, um den interkulturellen Austausch, Experimentierfreudigkeit und Offenheit im zeitgenössischen Design zu würdigen.

„Carnet de Voyage“ greift eine Idee auf, die das zeitgenössische Design branchenübergreifend prägt: Die Zukunft gehört Räumen, die kulturell lebendig wirken, voller Referenzen sind, reich an Sinneseindrücken und flexibel in ihrer Nutzung. Es geht nicht um Maximalismus gegen Minimalismus, sondern um bewusste Auswahl.

Der Aufstieg des auf Stimmungen abgestimmten Designs

Die stadtbezogene Gestaltung spiegelt einen allgemeinen Trend zur „Stimmungszonierung“ wider: eine Gestaltung, die auf emotionale Abschnitte setzt statt auf Einheitlichkeit. Klang, Farbe und Textur werden zu Mitteln des Erzählens. Für die Trendberichterstattung ist dies von Bedeutung, da dadurch Stil als Erlebnis neu definiert wird – als etwas, das die Audience unmittelbar spürt, noch bevor sie es benennen kann.

Globale Talentsuche als Markenpositionierung

Das Konzept positioniert Cappellini ausdrücklich als globalen Talentscout, der ikonische Stücke mit Werken aufstrebender Designer kombiniert. Was Trends angeht, ist dies ein Musterbeispiel für Relevanz: Tradition sorgt für Autorität, während neue Stimmen für Überraschungen und neue Impulse sorgen. Für Marken und Planer wird kuratierter Eklektizismus zu einem Wettbewerbsvorteil, da er widerspiegelt, wie sich Kultur tatsächlich entwickelt.

Die sensorische Wende: Taktilität, Glanz und die Rückkehr der Berührung

In allen Bereichen ist das Signal eindeutig: Oberflächen sind so gestaltet, dass man sie nicht nur sieht, sondern auch erlebt. Zementähnliche Haptik, glänzende Lackoberflächen und hochwertige Materialien (wie Marmorplatten) deuten allesamt auf ein wiederauflebendes Interesse an haptischen Erfahrungen hin. Im Jahr 2026 wird „Premium“ zunehmend dadurch bestimmt, wie sich ein Gegenstand beim ersten Kontakt anfühlt.

Grenzenlose Typologien: Innen–Outdoor als alltägliche Logik

Design, das die Grenze zwischen Innen und Außen aufhebt, ist längst keine Nische mehr. Es spiegelt die Normalisierung des Lebens im öffentlichen Raum wider – Terrassen werden wie Zimmer behandelt, Lobbys wie Wohnräume, Büros wie Gastronomiebereiche. Für Projektteams vervielfacht dies die Anwendungsfälle und vereinfacht die Beschaffung: weniger Objekte, mehr Kontexte.

Schränke und Regale als architektonische Gesten

Der Schrank wird zur Skulptur. Schränke werden zu erzählerischen Ankerpunkten, während Regale zu einem System für Raumaufteilung, Präsentation und Identitätsstiftung dienen. Der wichtigste Trend ist die funktionale Architektur: Objekte, die Räume definieren und nicht nur ausstatten.

Vertragsklarheit

Die Annäherung zwischen Objekt- und Wohnbau hält an, doch der Schwerpunkt verlagert sich zunehmend auf Klarheit: skalierbare Formate, spezifikationsfreundliches Denken und Komfort, der projekttauglich bleibt. Aus Sicht der Trendbeobachtung bedeutet dies die Weiterentwicklung des vom Gastgewerbe geprägten Arbeitsplatzes – und des vom Arbeitsplatz geprägten Zuhauses.

Schichtung als Methode: Teppiche als modulare Komposition

Mehrlagige Teppiche übertragen das modulare Konzept auf weiche Oberflächen. Eine Grundfläche in Kombination mit einem gemusterten Überzug schafft einen anpassbaren Innenraum – einen, der sich je nach Jahreszeit, Veranstaltung oder Markenkampagne weiterentwickeln lässt. Wenn man dazu noch die gesellschaftliche Perspektive der kooperativen Produktion hinzufügt, ergibt sich ein umfassendes Wertversprechen für das Jahr 2026: Ästhetik, Flexibilität und Sinnhaftigkeit.

Der neue moderne Eklektizismus

„Carnet de Voyage“ steht letztlich für einen neuen, modernen Eklektizismus: Stücke, die Epochen und Herkunftsorte übergreifend nebeneinander bestehen können und durch kuratorische Handschrift vereint werden. Es vertritt eine optimistische These: Offenheit – kulturell, visuell und materiell – kann eine Designdisziplin sein und muss nicht zwangsläufig Orientierungslosigkeit bedeuten.

Entdecken Sie Cappellini

Die Marke ist bekannt für ihre unverwechselbaren Designs, bei denen Qualität und Handwerkskunst im Vordergrund stehen – vom einzigartigen Design bis hin zur Herstellung jedes einzelnen Stücks.

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