27/05/2025 • 4 min gelesen

Die Mailänder Designwoche 2025 im Rückblick

Zeitlose Themen, Schwerpunkte und Trends

von Alex Przybyla

In diesem Jahr fühlte sich Mailand wie ein Garten von Haworth an: Wohin man auch schaute, an allen Ecken und Enden erblühte eine Blume aus der Haworth Welt. Fantasievolle Konzepte von Poltrona Frau, experimentelle Fragen von Cappellini, radikale Ansätze von Zanotta, ausdrucksstarke Akzente von Cassina – vertraute Geschichten zuhauf. (Und das allein nur innerhalb der Haworth Gruppe!)

Aus unserer Materialsammlung für den Trendbericht zur Mailänder Designwoche 2025 – den Sie übrigens hier herunterladen können – posteten wir täglich zu Themen, die wir beachtenswert fanden. Zu diesen Themen gehörten Farbe, Materialien, KI und Nostalgie. 

Lesen Sie die Zusammenfassung unserer Entdeckungen – Dies ist die Mailänder Designwoche 2025 im Rückblick.

Farbe 

In diesem Jahr waren wir mit unserer Freude an Farben nicht die Einzigen. Während unseres Aufenthaltes in Mailand hatten wir das Privileg, ein paar Tage in Gesellschaft der weltweiten Experten für Farbe, Pantone, zu verbringen. Pantone betrachtet jede Farbe genau – und erweitert dann den Blick auf die Erwartungen, die eine Farbe weckt, und welche Geschichte sie möglicherweise erzählen könnte. Pantones Begeisterung für Farben war ansteckend. Die gemeinsame Zeit mit dem Team „schärfte unseren Blick“ für eine intensivere Auseinandersetzung mit Farben. 

(Lesen Sie unser Interview mit Jane Boddy und Tannese Williams im Trendreport!)

Was uns häufig begegnete, waren intensive, gesättigte Farben. Besonders auffällig: tiefe Rottöne, scharlachrote und amarantfarbene Töne. Dieses Farbschema bekam von uns den Namen „Campari“, als kleine Anspielung auf das in der Nähe von Mailand erfundene Likörgetränk. Ebenso unübersehbar waren helle, saure Zitrustöne wie Limette und Zitrone, die Räume energetisch aufladen und Optimismus ausstrahlen. 

Material

Mailand, das bedeutet eine Woche voller Überraschungen. Wir sind immer erfreut, wenn wir innovative Materialien und kreative Herstellungsverfahren entdecken oder eine Rückkehr zu traditionellen Formen und Methoden. Besonders überrascht hat uns dieses Jahr die Beschäftigung mit Immaterialität. Designer stellten die Greifbarkeit, Sichtbarkeit und Form infrage.

Stephen Burks Man Made sprach das spirituelle Gefühl der Leere an, das den Designprozess des Studios beeinflusst. Google setzte in der Ausstellung „Making the Invisible Visible“ auf Licht – formloses, unfassbares Licht – um Teilbereiche zu schaffen, die wie Vorhänge wirkten und die Grenzen zwischen An- und Abwesenheit, Materialität und Immaterialität verschwimmen ließen.

KI-Tools im Designbereich 

Wir befragten zahlreiche Kreative zu der Rolle von KI-Tools im Design. Unterm Strich kann man sagen, dass ein qualifizierter Optimismus vorherrschte. Hanne Willmann etwa, eine junge Designerin aus Berlin, findet KI-Tools hilfreich, um erste Überlegungen zu testen. Gleichzeitig meinte Hanne, KI verwerte lediglich „bereits Vorhandenes“ wieder – ein Grund, warum KI „die eigentliche Designarbeit niemals ersetzen wird, da Designarbeit auf einer tieferen Ebene entsteht mit dem Ziel, etwas Neues zu finden, das es bisher noch nicht gab“. 

Peter Schäfer, Design Director von Gensler, sieht KI-Tools eher positiv, besonders weil sie helfen, Zeit zu sparen. Ebenso kann KI in frühen Stadien der Konzeptentwicklung beim Storytelling unterstützen. So kann sie etwa die Geschichte der Straße oder des Viertels erforschen, wo ein Projekt umgesetzt werden soll. Darüber hinaus ist KI auch nützlich, um nachhaltigere Materialien und Verfahren zu finden. Schäfer weist aber auch auf die fehlende Transparenz rund um den Energie- und Wasserverbrauch von KI hin. Entsprechend müsse gemeinsam Druck auf die Tech-Giganten aufgebaut und sie in die Verantwortung genommen werden.

Nostalgie 

Angesichts seiner reichen Geschichte mag man Mailand den rückwärtsgewandten Blick verzeihen. Jedes Jahr werden Ikonen geehrt, Jubiläen gefeiert und historische Designs wieder ins Lampenlicht gerückt.

Mailand ist jedoch nicht die Welthauptstadt des Designs, weil sie sich mit dem Erreichten zufriedengibt. Trotz der beeindruckenden Geschichte spielt die Vergangenheit auf der Mailänder Designwoche eher eine Nebenrolle. Tonangebend sind vielmehr die Energie der Zukunft und die Dynamik des Wandels. Poltrona Frau, Cassina, Cappellini und Zanotta feierten die Ikonen der Vergangenheit allesamt auf ihre Weise, doch der Fokus aller vier Marken war eindeutig zukunftsgewandt. Ihre Legenden sind nicht in Bernstein gegossen, unveränderlich und makellos, sie entwickeln sich weiter, sogar in diesem Moment. 

Die vier Themenbereiche, die wir in Mailand erkundeten, sind keine „Trends“ an sich, sondern eher wie eine Meditation über vier Schwerpunkte, die die meisten von uns in der Welt des Designs berühren. 

Wir suchen keine rationalisierten, globalen Megatrends, falls es dergleichen überhaupt noch gibt. Unser Trendbericht verfolgt den gleichen Ansatz. „Trends nachzujagen“, liegt uns fern, wo bleibt denn dann die Inspiration und Nachhaltigkeit? 

Was wir stattdessen suchen, ist ein neuer Umgang mit dem Zeitlosen, ergänzt durch die Einschätzungen von Kreativschaffenden. Wir entdeckten viel mehr, was uns inspirierte – und wir hoffen, Sie auch!

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