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Biophiles Design am Arbeitsplatz aktivieren

Naturbasiertes Design – die neue Norm

by Kamilia Dzulkifli

Haben Sie sich jemals gefragt, warum sich Menschen seit Jahrhunderten an der Natur orientieren – und das heute mehr, als wir je gedacht hätten? Wenn wir uns einer neuen Herausforderung stellen, richten wir uns oft an die Natur, die uns umgibt. Um Antworten oder Inspiration zu finden, mit dem Ungewissen umzugehen. Sie haben daher vielleicht schon einiges darüber gehört, wie Biophilie oder biophiles Design dabei eingesetzt werden kann, besondere Rückzugsorte zu schaffen, an denen Menschen nach der COVID-19-Pandemie bei ihrer Rückkehr ins Büro Ruhe und Inspiration finden.

Doch was ist biophiles Design? Und wie können Arbeitsplätze biophil gestaltet werden?   


Eine Möglichkeit, Biophilie miteinzubeziehen, sind einfache Maßnahmen wie die Einführung von Naturelementen, z. B. Grünpflanzen, Sonnenlicht und frischer Luft. Die Idee des biophilen Designs gibt es schon lange und sie wurde bereits in den 1980er-Jahren durch den Biologen und Naturforscher E. O. Wilson bekannt. Er gilt als Pionier einer neuen Denkschule, die sich darauf konzentrierte, „den Menschen wieder in Kontakt mit der Natur zu bringen“. 

„Biophilie ist kein einzelner Instinkt, sondern ein Gefüge von Lernregeln, die sich auseinandernehmen und einzeln analysieren lassen. Die Gefühle, die von den Lernregeln geformt werden, lassen sich auf mehreren emotionalen Skalen einordnen, von Zuneigung bis Abneigung, von Ehrfurcht bis Gleichgültigkeit und von Friedlichkeit bis zu beklemmender Angst.“

E. O. Wilson

Die Biophilie-Hypothese
 

In seinem Buch Die Biophilie-Hypothese aus dem Jahr 1993 argumentiert E. O. Wilson, dass biophiles Design biologische Vielfalt miteinbezieht und sich nicht nur auf die physische Form selbst beschränkt. Es regt auch unsere Sinne und Emotionen an und trägt zum Wohlbefinden jedes Einzelnen bei. Die Grundsätze lassen sich in verschiedenen Maßstäben und in einer Vielzahl von Räumen – sowohl im Außen- als auch im Innenbereich – umsetzen.

 Das Ziel jedes Designers ist es, ästhetische und funktionelle Räume für die Menschen, die sie nutzen, zu schaffen. Noch wichtiger ist es jedoch, jedem Raum eine bedeutungsvolle Perspektive und Identität zu geben.

Außenräume – Architektur

Im Kontext von Architektur sowie Designprojekten im größeren Maßstab – vor allem im urbanen Bereich – ist uns immer mehr die Verbindung zur Natur verloren gegangen. Dies hat Architekten dazu veranlasst, neue Wege zu finden, um die Natur wieder mit der vom Menschen geschaffenen Umgebung zu vereinen und die Verbindung zwischen beiden zu stärken. Aus Sicht der Forschung empfiehlt sich ein Blick auf die Arbeit zweier renommierter Architekten: Frank Lloyd Wright und Antoni Gaudi. Beide wurden dafür ausgezeichnet, dass sie schon früh die Prinzipien des biophilen Designs in ihren Meisterbauwerken berücksichtigt haben.
 

Innenräume – Arbeitsplatz

Jetzt, wo die Menschen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, wird deutlich, wie wichtig biophile Aspekte sein können. Arbeitgeber sind bemüht, ein verbessertes Arbeitsumfeld für ihre Mitarbeiter zu schaffen, um nach der Pandemie neue Standards bei der Arbeitsplatzgestaltung zu etablieren, die die Biophilie integrieren. Verschiedene Elemente wurden eingeführt, um Abstandsregeln einzuhalten sowie abgetrennte Bereiche und ein agiles Arbeitsumfeld zu schaffen. Gleichzeitig unterstützen und fördern diese Elemente auch die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Mit anderen Worten: Biophiles Design dient Designern und Entscheidungsträgern als ein wesentlicher Bestandteil und Ansatzpunkt bei der Gestaltung von neuen Umgebungen.  

Für die Umsetzung von biophilem Design muss kein großer Aufwand betrieben werden. Gemäß den 6 Prinzipien des Sozialökologen Stephen könnte ein Unternehmen schon damit beginnen, kleinste Änderungen an einem Raum vorzunehmen, die sich allein bereits positiv auf die Umgebung und die Nutzer auswirken können. Diese biophilen Designprinzipien beinhalten:

1.    Umweltbezogene Merkmale
2.    Licht und Raum
3.    Natürliche Gebilde und Formen
4.    Natürliche Muster und Prozesse
5.    Ortsbezogene Beziehungen
6.    Enger werdende Beziehungen zwischen Mensch und Natur

Die ersten drei dieser Prinzipien sind ein guter Ausgangspunkt dafür, biophiles Design am Arbeitsplatz einzuführen. Um einige der wichtigsten Aspekte aus der Natur im Büro zu integrieren, ist es hilfreich, auf Begrünung zu setzen, für mehr Tageslicht zu sorgen, natürliche Belüftung zu nutzen und mit Wasserelementen zu arbeiten.   

Das neue Ökosystem: Von überall aus arbeiten

Räume, die vor der Pandemie entworfen wurden, sind möglicherweise nicht die richtige Wahl für die Zukunft. Erfahren Sie mehr, indem Sie die 10 von 10 von unserem virtuellen Summit herunterladen.

Für Unternehmen, die einen einfacheren Ansatz bevorzugen, lässt sich das Prinzip der natürlichen Formen einfach anwenden, etwa durch Naturaufnahmen und den Einsatz von durch die Natur inspirierten Formen, Farben, Gebilden und Mustern. Mit der Expertise eines Designers ist dagegen ein umfassenderer Ansatz möglich. Designer bringen einen professionellen Hintergrund und das Know-how in der Raum- und Materialnutzung mit sich und sind daher in der Lage, natürliche Elemente, Texturen und Farben in Innenräume zu integrieren. 

Biophiles Design für soziale Nachhaltigkeit

Die Verwendung natürlicher Materialien fördert nicht nur nachhaltiges Handeln am Arbeitsplatz, sondern beeinflusst auch das soziale Umfeld. Positive Interaktionen mit der Natur beeinflussen unsere Gefühle und können unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden fördern. Eine natürliche Umgebung sorgt für Erholung und Stressabbau.  

Soziale Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle im digitalen Zeitalter der Raumgestaltung und eröffnet die Möglichkeit, natürliche Elemente zu digitalisieren. Das beweist, dass selbst heute, im digitalen Zeitalter, die Natur für uns von großer Bedeutung ist.

Die Arbeit der Zukunft – Biophiles Design im digitalen Fußabdruck

Selbst angesichts der aktuellen Pandemie haben sich Innenarchitekten unentwegt mit dem Design von Arbeitsplätzen beschäftigt. In der digitalen Welt etwa wurden zahlreiche surrealistische Räume kreiert, die den physischen Raum ersetzt haben. Dabei wurde stets die Natur miteinbezogen – sowohl in Form von lebensechten Darstellungen als auch als surreale Interpretationen – was wiederum die Natur und unser Bedürfnis, mit ihr verbunden zu sein, in den Mittelpunkt rückt. Die Haworth Europe’s Work from Anywhere Virtual Spaces ermöglichen es Besuchern zum Beispiel, digital gestaltete dritte Räume zu erkunden, die auf biophilen Designprinzipien und einem nachhaltigen Ansatz beruhen. Inspiriert von der Natur – von der Auswahl natürlicher Materialien im Innenraum bis hin zu nachhaltigen Stoffen wie Oceanic – sind so Räume entstanden, in denen Menschen mit Freude arbeiten.  

Oft wird behauptet, dass alles Alte mit der Zeit wieder neu wird – doch von der Natur inspiriertes Design war niemals veraltet. Antonio Gaudis Meisterwerk, La Sagrada Familia aus den 1930er Jahren, ist über viele Jahrzehnte hinweg biologisch inspirierend geblieben – mit Säulen im Inneren, die wie Bäume aussehen und von natürlichem Licht, das durch Buntglas strömt, in wunderschöne Farben getaucht werden. 

Biophiles Design hat die Zeit überdauert und wird auch den Designern von Morgen als Inspirationsquelle dienen. Unabhängig davon, ob wir traditionellen oder futuristischen Prinzipien folgen – die Natur wird für den Menschen auch in Zukunft ein zentraler Anhaltspunkt bleiben. Sie ist und wird auch künftig eine wichtige Rolle in unserem Leben und unseren Lebensräumen spielen. Gerade heute, als fundamentales Element der neuen Arbeitsplatzgestaltung, verdient biophiles Design noch mehr Anerkennung.  

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